
Oberzent-Schule - Alle Jahre wieder…
Im Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 unternahm die 8. Religionsklasse der Oberzent-Schule von Herrn Siefert einen Gedenkgang zur ehemaligen Synagoge in Beerfelden. Diese war, noch kurz zuvor teilweise renoviert, in der betreffenden Nacht zerstört worden. Im Gegensatz zu anderen in Deutschland zerstörten jüdischen Gotteshäusern wurde sie nicht gesprengt oder angezündet, da man in der Oberzent-Stadt noch das Trauma des großen Stadtbrandes von 1810 vor Augen hatte.
Das Gebäude befand sich in unmittelbarer Nähe zweier Gemeindescheunen und somit bestand die Gefahr eines Großfeuers. Stattdessen sägten die Nazis und ihre Helfershelfer Balken ein. Ein Traktor brachte das Gebäude zum Einsturz. Die Trümmer wurden anschließend beseitigt. Den Leichenwagen der jüdischen Gemeinde zerrte man vor die Synagoge und verbrannte diesen.
Wenige der Schüler wussten im Vorfeld, dass es in Beerfelden eine Synagoge gegeben hatte und natürlich auch nicht wo – am Beginn der Odenwaldstraße. Heute befindet sich auf dem Gelände die Gaststätte „S’Lagger“. Umso wichtiger ist es laut Schulleiter Bernd Siefert, „dass die Oberzent-Schule das Thema jedes Jahr aufgreift und einen Gedenkgang durchführt“. Am Ort der ehemaligen Synagoge wurde ein ewiges Licht entzündet. Gemeinsam sprach man das Vaterunser.
Um das Jahr 1900 hatte es in Beerfelden noch über 100 jüdische Mitbürger. In der heutigen Judengasse wohnten keine Juden. Nur ein Weg führte durch die Straße zur Synagoge. Die Juden waren, das zeigt ein Stadtplan aus dem Jahre 1905, überall in der Stadt verteilt. Schon vor dem Novemberpogrom von 1938 war die jüdische Einwohnerschaft stark zurückgegangen.
Die letzten zwölf jüdischen Bewohner wurden im Herbst 1942 – über die Sammelstelle in Darmstadt – „in den Osten umgesiedelt“, wie die Nazi-Propaganda den Weg in die Vernichtungslager euphemistisch beschrieb. Ab Oktober 1942 gab es in Beerfelden keine Juden mehr. „Für diese Menschen haben wir 2012 die Stolpersteine verlegen lassen“, berichtete Siefert.
An der evangelischen Kirche erinnert seit 1990 eine Bronzetafel an die ehemaligen jüdischen Einwohner des Ortes: „Die Bürger der Stadt Beerfelden erinnern an alle ehemaligen jüdischen Mitbürger. Sie lebten durch lange Zeit mit uns in Frieden. Durch die tragischen Ereignisse der nationalsozialistischen Verfolgung, die viele Opfer forderten, mussten sie dieses Miteinander aufgeben. Heilig ist uns die Erinnerung an die Opfer ohne Zahl.“
„Es war sehr beeindruckend, über dieses Geschehen an Orten wo es geschehen ist, darüber zu sprechen und nicht nur im Klassenraum. Zugleich war es auch sehr beeindruckend solch ein Geschehen auf diese Art vor Augen geführt zu bekommen, durch den stillen Gedenkgang, das Gebet vorm „S´Lagger“, das Lesen der Bronzetafeln und der Gespräche über diese. Es war ein tolles und mitnehmendes Ereignis im Religionsunterricht.“
Lilu V. und Lina W.