Am 26. Februar 2025 besuchte der Historiker, Autor und Lehrer Dr.Dirk Strohmenger den PoWi-Kurs der 10. Klasse an der Oberzent-Schule Beerfelden. Mit seiner Begeisterung für die Ortsgeschichte und den Erzählungen seines Großvaters erklärte er den Schülerinnen und Schülern, dass die NS-Zeit nicht plötzlich begann, sondern langsam und schrittweise in die Gesellschaft einzog.
Schon kleine Veränderungen führten dazu, dass die Freiheit, die Meinung zu sagen und privat zu bleiben, immer mehr eingeschränkt wurde. Viele Eltern hatten Angst, offen mit ihren Kindern über die politischen Entwicklungen zu sprechen, weil sie befürchteten, dass private Meinungen bekannt würden und Probleme verursachen könnten. Im Vortrag berichtete Herr Strohmenger auch von der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Beerfelden.

Am Beispiel von Joseph Salomon (1880–1937), der als Jude lebte und am 19. Oktober 1937 im Konzentrationslager Dachau starb, zeigte er, wie Menschen damals ausgegrenzt wurden. In Beerfelden wurden Straßennamen nach Nazigrößen umbenannt und an fast jedem Haus wehte eine schwarz-weiß-rote Flagge; nur an Häusern, in denen Juden wohnten war dies anders. Die Kinder jüdischer Familien, die zunächst in eine normale Schule gingen, wurden später anders behandelt und schließlich in eine eigene Schule geschickt. Herr Strohmenger erläuterte zudem, wie sich die NS-Zeit in der Odenwaldregion entwickelte.
Auch dort geschah die Veränderung allmählich: Öffentliche Einrichtungen wurden angepasst, alte Bräuche verloren an Bedeutung, und es breitete sich immer mehr Angst und Misstrauen aus. Schon in den frühen 1930er Jahren sorgten erste Maßnahmen dafür, dass Eltern aus Sorge vor Konsequenzen kaum noch mit ihren Kindern über die politischen Entwicklungen sprachen. Dirk Strohmenger machte den Schülerinnen und Schülern deutlich, wie wichtig es ist, sich an diese Zeit zu erinnern, und diese Zeit zu reflektieren, damit sich so etwas wie vor 80 Jahren nie wieder wiederholt.
Lukas Sattlmair, Keanu Luthringhausen, Mika Berger